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Winfried Ruhs
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Über mich

Ich hatte ein Geschäft, aus dem ich keinen einzigen Tag rauskam.

Verkauft habe ich es 2011. Das war die Schlüsselerfahrung, aber nicht die ganze Ausbildung.

Online geführt habe ich Geschäfte von Anfang an, schon der Honig hatte seinen eigenen Shop. In zwanzig Jahren habe ich dabei jede Falle selbst mitgenommen: Werkzeuge, die Zeit sparen sollen und einen Tag pro Woche kosten, Systeme, die Dich umso mehr brauchen, je größer sie werden, ein Angebot, das erst im Gespräch konkret wird. Da hat mir nie jemand einen Weg heraus gebaut, also habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, der zu werden, der genau diese Probleme löst.

Und den strengsten Maßstab habe ich am Küchentisch. Avianna sagt mir sofort, wenn etwas, das wir gebaut haben, mehr nimmt als es gibt, weil sie jeden Tag darin arbeitet. Ein Geschäft, in dem jemand aus Freude arbeiten kann, ist hier kein Spruch. Daran werde ich gemessen.

01Die Honigjahre

Angefangen habe ich mit Honig, direkt nach der Uni.

Zeitungsseite der Main-Post vom 5. Februar 2007 mit der Überschrift „Der Luxus im Honig“ und einem Foto von Winfried Ruhs mit drei Honiggläsern
Main-Post, 5. Februar 2007. Das Produkt und die Presse stimmten. Was fehlte, war ein Geschäft, das ohne mich weiterlief.

Eine Honigmarke mit eigenem Onlineshop und Belieferung des Feinkosthandels. Ich habe eingekauft, abgefüllt, verkauft und die Buchhaltung gemacht. Es wuchs, und je größer es wurde, desto mehr lief durch mich.

Es gab keine Woche, aus der ich rauskam. Keine einzige. Wenn ich aufhörte, hörten die Bestellungen auf. Mir gehörte das Ganze, und irgendwann gehörte ich ihm.

Die Marke gibt es bis heute. Sie heißt imhonig, wird mit meinen Originalrezepturen hergestellt und steht immer noch an Verkaufsstellen wie dem Münchner Viktualienmarkt. Das Produkt hat also getragen. Der Bau darum herum nicht.

Ich habe verkauft und lange geglaubt, mir hätte die Ausdauer gefehlt. Stimmte nicht. Es war ein Konstruktionsfehler. Niemand hatte das Geschäft so gebaut, dass es ohne den Menschen in der Mitte läuft, und dieser Mensch war ich.

Ein Geschäft, aus dem Du keinen Tag rauskommst, ist kein Geschäft. Das ist ein Zimmer, in das Du Dich selbst eingesperrt hast.

02Das Jahrzehnt danach

Zehn Jahre Yoga- und Persönlichkeitsentwicklungsszene.

Ein voller Yogaraum, die Teilnehmenden sitzen im Kreis auf Matten
Mein Studio am Chiemsee. Der Raum war voll, und trotzdem hing alles daran, dass ich darin stand.

Drei davon mit eigenem Studio. Zwei Vereine nebenher gegründet. Ich war in derselben Branche, für die ich heute baue, nur auf der anderen Seite des Tisches.

Was ich dort immer wieder gesehen habe: Leute mit echter Tiefe und echtem Können, deren Geschäft nur durch ihre ständige Anwesenheit zusammenhielt. Sie hatten Jahre an sich gearbeitet. Die Systeme darum herum hatte ihnen nie jemand gebaut.

Ich bin mehr als einmal auf die Nase gefallen und wieder aufgestanden. Daher kommt das meiste von dem, was ich weiß. Nicht aus einem Marketingkurs.

03Die Arbeit heute

Aviannas Marke ist das Klarste, was ich gebaut habe.

Sie arbeitet an dem, was einen Menschen trägt. Ich baue das, was sein Geschäft trägt. Genau diese Aufteilung baue ich heute für andere, und wir haben sie zuerst an uns selbst ausprobiert.

Angefangen hat sie mit ein paar hundert privaten Followern. Zur kostenlosen Session kommen jede Woche rund hundert Frauen. Sie lebt davon. Ohne Nebenjob.

Die Sessions, die App, das Empfehlungssystem, die E-Mail-Strecken, die Mitgliedschaft, die Launches, die Zahlungen: jedes Stück davon ist durch meine Hände gegangen. Es ist öffentlich. Schau es Dir an.

Winfried Ruhs und Avianna McKee
04Wie ich arbeite

Ich berate an genau einer Stelle. Überall sonst baue ich.

Ein Berater sagt Dir, was Du tun sollst, und geht. Eine Agentur macht, was Du bestellst, auch wenn es nicht trägt. Die eine Stelle, an der ich berate, liegt vor dem ersten Handgriff: was bei Dir gebaut wird und in welcher Reihenfolge. Erst das Angebot und der Preis, dann alles, was dahinter laufen muss.

Das Entscheiden gehört dazu, sonst wäre ich die Agentur. Von innen ist die fehlende Stelle nämlich meistens unsichtbar, einfach weil Du mitten darin stehst, und jemand muss einmal von außen hineinschauen, bevor gebaut wird. Danach bekommst Du ehrliches Feedback, bevor Du in die falsche Richtung losläufst, und am Ende der Woche steht etwas, das existiert, statt eines Papiers darüber, was existieren sollte.

Pleasure braucht einen Unterbau. Den baue ich.

05Warum jetzt

Zehn Jahre lang habe ich das für ein Marketingproblem gehalten.

Die Leute, von denen ich oben schreibe, waren nicht schlecht im Verkaufen. Ihnen fehlten die Systeme, und Systeme zu bauen war teuer. Eine Anmeldeseite, eine Mailstrecke, ein Check-Out, ein Mitgliederbereich: dafür brauchte es ein Quartal und einen fünfstelligen Betrag. Bei einer Nische von vierhundert Leuten rechnete sich das nie.

Also wurde es von denen gebaut, die ohnehin Geld hatten, und die hatten meistens eine andere Idee davon, wofür. Das hat die Welt geformt, die wir haben: gebaut wurden nicht die besten Ideen, sondern die bezahlbarsten.

Seit ungefähr zwei Jahren stimmt diese Rechnung nicht mehr. Ich stelle heute an einem Wochenende hin, wofür ich früher ein Angebot geschrieben und ein Quartal veranschlagt hätte. Das ist der Grund, warum ich das hier mache, und warum ich es jetzt mache und nicht in fünf Jahren.

Wem diese Werkzeuge in die Hände fallen, entscheidet mit, wie es hier in dreißig Jahren aussieht. Ich hätte gern, dass es Leute sind wie Du, die daran arbeiten, dass Menschen heiler herauskommen, als sie hineingegangen sind. Deshalb bekommst Du heute dieselbe Technik gebaut, die bis vor Kurzem nur die bekommen haben, die ohnehin Geld hatten.

Bau ein Geschäft, das Dir mehr zurückgibt, als es nimmt.